Wer nachhaltiger arbeiten will, muss nicht auf den großen Wurf warten. Entscheidend ist: anfangen, hinschauen und aus kleinen Schritten einen gemeinsamen Weg machen.
Nachhaltigkeit wirkt für viele Unternehmen wie ein Berg, der einen erschlägt, bevor man losgeht: Zertifikate, Berichtspflichten, Lieferketten, CO2-Bilanzen. Dabei steckt der erste Schritt oft in Fragen, die jeder Betrieb kennt: Warum drucken wir das noch aus? Muss jemand zu dem Termin fahren? Wie lange nutzen wir Geräte? Welche Lieferanten passen zu uns? Und wer im Team hat eine Idee zum Aufgreifen?
Hier setzt die SerNet GmbH an. “Nachhaltigkeit muss nicht mit einem großen Wurf beginnen”, sagt Geschäftsführerin Reinhild Jung. “Viele wirksame Veränderungen entstehen im Tagesgeschäft. Entscheidend ist, die einzelnen Puzzleteile bewusst zusammenzutragen und ihnen einen Rahmen zu geben.” Für das Göttinger IT-Unternehmen heißt das: erst sichtbar machen, was im Alltag längst passiert – und diese Ansätze dann Schritt für Schritt bündeln.
SerNet ist kein produzierendes Unternehmen. “Wir haben keine Fertigungshalle, keine Lieferflotte, keine großen Materialströme. Unsere Hebel liegen an anderen Stellen im Arbeitsalltag”, so Jung weiter: Stoffhandtücher, Öko-Toilettenpapier, Wasserspender, digitale Rechnungen, papierarme Prozesse, LED-Beleuchtung, Zeitschaltungen, E-Autos als Dienstfahrzeuge, regionale Lieferanten und technische Geräte, die möglichst lange genutzt werden. Einzeln betrachtet keine spektakulären Maßnahmen. Zusammen zeigen sie aber, wie Nachhaltigkeit Form annimmt: durch Haltung, Routinen und Entscheidungen, die gelebt werden.
Reisen, wenn es zählt
Eine besondere Rolle spielt Mobilität. SerNet setzt auf Bahnreisen, BahnCards und Bike-Leasing. In der Corona-Zeit stellten viele Unternehmen kurzfristig auf Homeoffice um. SerNet hat agile Präsenzkultur zur dauerhaften Praxis gemacht. Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten weiterhin flexibel, hybrid oder vollständig remote – passend zum Projekt, zum Team und zur Lebenssituation. “Digitale Meetings ersetzen keinen persönlichen Kontakt”, sagt Jung. “Sie helfen aber, bewusster zu entscheiden, wann ein Weg sinnvoll ist und wann eine Videokonferenz besser passt.”
Damit wird Mobilität auch zum Arbeitgeberthema. Diese Arbeitskultur spiegelt Vertrauen wider, erleichtert Vereinbarkeit und passt zu den Erwartungen vieler Fachkräfte. Dennoch bleiben Begegnungen auch bei SerNet wichtig: Teams brauchen Austausch, Büros bleiben Orte der Zusammenarbeit und sozialer Zusammenhalt trägt zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz bei.
Open Source und Nachhaltigkeit
Für ein IT-Unternehmen hat Nachhaltigkeit auch eine digitale Dimension. SerNet entwickelt und pflegt seit Jahren Open-Source-Software, darunter Samba und verinice. Quelloffener Code lässt sich prüfen, anpassen und über lange Zeit nutzen – das reduziert Abhängigkeiten und stärkt digitale Souveränität.
Dabei bleibt SerNet pragmatisch. Open Source ist nichtnur Thema der eigenen Entwicklung, sondern auch der Arbeit beim Kunden: Bei sicheren Infrastrukturen und in der Systemintegration (SI) prüft das Unternehmen offene Alternativen, wo sie fachlich überzeugen, und setzt proprietäre Lösungen ein, wo sie besser passen. Entscheidend ist nicht das Etikett, sondern ob eine Lösung im konkreten Fall stimmig ist.
Oliver Seufer, der gemeinsam mit Reinhild Jung die Geschäftsführung der SerNet GmbH bildet, sieht Nachhaltigkeit auch als Frage langfristig tragfähiger IT: “Offene Standards sowie langlebige Hard- und Software schaffen die Grundlage für Systeme, die auch in vielen Jahren noch sinnvoll betrieben und weiterentwickelt werden können.”Das ist Nachhaltigkeit dort, wo sie am meisten zählt: im Kerngeschäft. wird – und worauf wir aufbauen können." Auch neue Ideen
Vom Azubi-Projekt zum Prozess
Das Thema Nachhaltigkeit ist bei SerNet in der Geschäftsführung angesiedelt. Reinhild Jung und Oiver Seufer haben dazu im vergangenen Jahr gezielt ein Azubi-Projekt gestartet. Der Gedanke: Wenn es um Zukunft geht, soll auch die junge Generation mitgestalten, die mit den Folgen heutiger Entscheidungen leben wird. "Die Auszubildenden haben zunächst aus gesammelten Beobachtungen ein Gesamtbild gemacht“, sagt Reinhild Jung.
"So wird sichtbar, was bei SerNet bereits umgesetzt und gelebt wird – und worauf wir aufbauen können.“ Auch neue Ideen sind entstanden: Ein Bienenhotel hat beispielsweise auf dem Dach des Göttinger Medienhauses Einzug gehalten. Außerdem übernimmt Saskia Ripplinger, die bei SerNet gerade ihr duales Studium beendet, die Rolle der Nachhaltigkeitskoordinatorin. Beiträge zusammenführen, aus vorhandenen Ansätzen einen nachvollziehbaren Prozess machen, Kolleginnen und Kollegen aktiv einbeziehen: Das sind künftig ihre Aufgaben.
Vernetzt in Göttingen
Passend dazu ist SerNet der Liga nachhaltige Betriebe beigetreten, einer Initiative der GWG Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen. Sie bringt Betriebe aus der Region zusammen, die Nachhaltigkeit praktisch angehen und voneinander lernen wollen. Für ein international arbeitendes und in Göttingen verwurzeltes Unternehmen ein naheliegender Schritt: Der Austausch liefert Input, das angestrebte Nachhaltigkeits-Label gibt der eigenen Entwicklung einen verbindlichen Rahmen. “Viele unserer Fragen stellen sich anderen ähnlich”, sagt Jung. “Genau deshalb suchen wir den Austausch.” Seufer ergänzt: “Das Label ist eine gute Zielmarke. Der eigentliche Wert liegt aber im Prozess – und darin, dass Nachhaltigkeit dauerhaft mitgedacht wird und so Teil unserer Unternehmenskultur bleibt.”
Nachhaltigkeitsprojekte, Nachhaltigkeitsbericht, das angestrebte Label sowie stärkere Beteiligung sind bei SerNet die nächsten Schritte. Die Botschaft reicht darüber hinaus: Nachhaltigkeit beginnt dort, wo Unternehmen ihre bestehenden Entscheidungen bewusster betrachten. So kann aus vielen kleinen Initiativen ein gemeinsamer Weg werden.